Mitteilungen der Frauenvertretungen

 

01.11.2019

Nr. 06/2019

 

Editorial

Zukunftsfaktor weibliche Mitbestimmung

Der CSU-Parteitag hat die Ausweitung der Frauenquote abgelehnt: Ein herber Rückschlag für den bayerischen Ministerpräsidenten und eine bittere Erkenntnis für die Frauen, die sich in Bayern politisch engagieren wollen.

In der hitzigen Debatte während der Abstimmung des Quoten-Antrags wurde der Ton der Quotengegner rauer, der der Verteidiger flehentlich. Es sei eine Existenzfrage keine Organisationsfrage, hieß es da. Denn die Tatsachen lägen auf der Hand: Bei den jungen Frauen schneidet die CSU verheerend ab. Die Prognose des Ministerpräsidenten am Ende des Tages war ernüchternd: „Das wirft uns als Partei um Jahre zurück.“

Aber die CSU ist nicht die einzige Partei, die sich – gegen Widerstände – abmüht, jünger, weiblicher und digitaler zu werden. Auch die FDP hat sich auf diesen Weg gemacht. Mit dem Programm „Freiheit durch Emanzipation“ sollen Frauen ermutigt werden, sich innerhalb der Partei zu engagieren. Doch eine verbindliche Quote will man auch hier nicht in Erwägung ziehen. In der SPD versucht man dem Problem mit einer von der Basis legitimierten Doppelspitze zu begegnen, in der Hoffnung, ähnliche (Gleichstellungs-)Erfolge zu erzielen, wie Bündnis 90 / Die Grünen und Die Linke.

Welche Konsequenzen diese Entscheidungen letztlich für die Zukunft der einzelnen Parteien haben werden, wird sich spätestens bei den nächsten Bundestagswahlen zeigen.

Wenn Parteien überleben wollen, müssen sie jünger, kreativer, freundlicher und digitaler sein. Das steht fest. Denn die Gesellschaft hat sich gewandelt. Die Menschen leben zunehmend als vernetzte Individuen. Vor allem Junge und Frauen wenden sich von etablierten Organisationen ab und zivilgesellschaftlichen Initiativen zu.

Auch für die dbb Gewerkschaften wird dies zunehmend zur Herausforderung. Auch wir müssen uns hier auf den Weg machen und uns über die Zukunft der Mitbestimmung Gedanken machen. Wir müssen uns ehrlich fragen: Wie werden wir von draußen gesehen? Wie können junge Menschen für die gewerkschaftspolitische Arbeit gewonnen werden? Und was brauchen wir, damit sich Frauen, die die Mehrheit der potenziellen Mitglieder bilden, engagiert in Personalvertretungen einbringen? Die paritätische Besetzung von gewerkschaftlichen Gremien, eine mit einer Frau und einem Mann besetzte Doppelspitze und eine stärkere Fokussierung auf gesellschaftlich relevante Zukunftsthemen müssen auch innerhalb des dbb noch stärker und zukunftsorientiert diskutiert werden.

13. September 2019 Jahreshauptversammlung der vbba - Frauenvertretung in Worms.

vbba - Frauen auf den Spuren von Luther: "wir reformieren weiter"

 

19.09.2019

Nr. 05/2019

 

Editorial

Was brauchen Familien wirklich?

In einer aktuellen Umfrage hat das Bundesfamilienministerium in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach die Wünsche und Bedürfnisse der modernen Familie beleuchtet (S. 2). Ein zentrales Ergebnis zeigt, dass sich die Ansprüche an den „idealen“ Vater sehr stark gewandelt haben. Heute sollen Väter so viel Zeit wie möglich mit den Kindern verbringen, das heißt, Windeln wechseln, sich im Haushalt engagieren und zugunsten der Familie beruflich kürzertreten. Aber auch das Mutterbild hat sich verändert. Und zwar ebenso drastisch. Lag die Hauptverantwortung für Haushalt und Kinderbetreuung bei der heutigen Großelterngeneration zu 82 Prozent in Frauenhand, sind Mütter von heute nur noch zu 32 Prozent allein in der Pflicht.

Aber was bedeutet das für unsere Gesellschaft? Die Sorgearbeit verlagert sich auf beide Elternteile, eine geschlechterspezifische Rollenzuteilung wird von einer partnerschaftlichen Aufteilung der Familienpflichten abgelöst. Hinzu kommt, dass immer mehr Kinder in Ein-Eltern-Familien, Regenbogenfamilien oder Patch-Work-Familien groß werden. Damit steht auch die gesellschaftliche Rollenverteilung im Bereich der Erwerbsarbeit zur Disposition. Frauen investieren mehr Zeit und Energie in Erwerbsarbeit, Männer engagieren sich mehr im Bereich der unbezahlten Care-Arbeit.

Nicht nur die Politik steht an einem Scheideweg. Arbeits- und fiskalpolitische Entscheidungen müssen sich künftig an den sich wandelnden Familienverhältnissen ausrichten. Auch die Arbeitswelt wie wir Sie kennen, mit einem Vater, der viel arbeitet und einer Mutter, die nicht oder nur geringfügig am Erwerbsleben teilnimmt, hat sich damit überlebt. Ein Schlüssel für erfolgreiches Personalmanagement liegt darin, die neuen Familienrealitäten selbstbewusst in den Wandel der Arbeitswelt einzupreisen. Väter und Mütter müssen die gleichen beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten erhalten. Das erfordert individualisierbare Arbeitsmodelle und eine Abkehr von der Präsenzkultur.

Auch im öffentlichen Dienst müssen wir an dieser Stelle noch weiterdenken und aus gewerkschaftlicher Sicht den Druck deutlich erhöhen. Denn auch hier basiert die Arbeitsorganisation auf der Grundannahme, dass Frauen, sobald sie Mütter werden, in Teilzeit arbeiten und Männer, egal ob Vater oder nicht, ihr Vollzeitstundensoll erfüllen werden. Die Digitalisierung der Verwaltung bietet hier – wenn unter gendersensiblen Gesichtspunkten umgesetzt – ideale Mittel, um zu neuen gleichberechtigten Arbeitsformen zu kommen: solche, die Arbeitszeit nicht länger als Leistungsnachweis benötigen; solche, die Vatersein und Muttersein auf eine wertfreie Stufe stellen; solche, die den Beschäftigten Verantwortung und Respekt entgegenbringen und solche, die Familie wieder als zu förderndes, zu schützendes und wichtigstes Gut unserer Gesellschaft behandeln. Und zwar jede Form der Familie.


 

 

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