Mitteilungen der Frauenvertretungen

17.06.2019

Nr. 04/2019

 

 

Editorial

Wir müssen die Spielregeln ändern

Es ist gerade einmal einen Monat her, da hatte Angela Merkel den Unternehmen gedroht: Wenn diese nicht mehr Frauen in Führungspositionen bringen würden, dann müssten Sanktionen eingeführt werden. Und in diesem Monat sind viele Zahlen auf den Tisch gepackt worden, die für gesetzliche Sanktionen sprechen: Die schwindenden Frauenanteile in den Bundesparteien und im Bundestag wurden in zahlreichen Reden zum 70. Jubiläum des Grundgesetzes angemahnt. Der Gleichstellungsindex wurde am 5. Juni 2019 veröffentlicht, ein ernüchterndes Zeugnis für die Versäumnisse der Gleichstellung im öffentlichen Dienst: Auch hier tendieren die Frauenanteile in Führungspositionen eher nach unten denn nach oben. Die Gleichstellung in Deutschland stagniert nicht nur, sie entwickelt sich zurück. Da scheinen die Drohungen der Bundeskanzlerin nur konsequent.

Zeitgleich haben wir im dbb forum auf der Frauenpolitischen Fachtagung über Lösungsmöglichkeiten diskutiert: Welche Mechanismen müssen verändert werden, damit es Frauen gelingt, in Spitzenpositionen vorzudringen? (Den ausführlichen Bericht lesen Sie ab Seite 2.) Die Hürden sind groß, in der Politik und in der Wirtschaft ebenso wie in den öffentlichen
Verwaltungen. Das ist bittere Wahrheit. Auch zeigt sich, dass es an vielen Stellen dieselben Mechanismen sind, die Frauen zurückhalten: Es sind die Spielregeln, die einst für eine ausschließlich männliche Riege entworfen wurden. Es wird Zeit, diese endlich für das gemischte Doppel umzuschreiben.

In einigen Parteien gibt es dafür gute Beispiele, über die wir auf unserer Tagung diskutiert haben. Aber auch die Medienberichterstattung kann einen großen Beitrag leisten, Frauen in ihrer Kompetenz sichtbarer zu machen. Gleichstellung passiert nicht einfach. Sie ist das Ergebnis harter Arbeit vieler Akteurinnen und Akteure, und auch in einer Demokratie müssen Menschen für ihre Rechte kämpfen und Teilhabe erstreiten. Solidarität ist dafür ein hohes Gut. Denn nur gemeinsam ist es möglich, Transformationsprozesse anzustoßen. Nicht die Frauen müssen sich dafür ändern. Die Spielregeln in den Behörden, den Parteien und den Unternehmen müssen sich ändern. Wenn die Organisationen dazu nicht selbst in der Lage sind, dann muss die Politik die nötigen Weichen stellen. Es wird höchste Zeit für eine gesetzliche Lösung, die auch im öffentlichen Dienst Wirkung zeigt.


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