Mitteilungen der Frauenvertretungen

 

30.01.2020

Nr. 01/2020

 

Editorial

„Gleichstellungsjahr 2020“ – Reicht ein Jahr?

2020 soll mehr für die Gleichstellung getan werden. So verlautete Franziska Giffey Mitte Januar, als Sie ihr Programm für die Gleichstellungspolitik 2020 in Berlin vorstellte. Sie reagiert damit auf die Kritik, sich als Frauenministerin kaum ein Profil erarbeitet zu haben. Die Vorschläge sind durchaus ambitioniert.

Noch im ersten Halbjahr soll die im Koalitionsvertrag vereinbarte ressortübergreifende Gleichstellungsstrategie der Bundesregierung vorgelegt werden. Hierauf drängen wir seit Monaten. Vor allem fordern wir die Bundesregierung auf, darin auch die Gleichstellung im öffentlichen Dienst in den Fokus zu rücken. Hier hapert es nämlich an vielen Stellen: Die Besetzung der Führungspositionen mit Frauen stagniert in den obersten Bundesbehörden ebenso wie in den öffentlichen Unternehmen. Das hängt zum einen mit den noch immer auf männliche Karrieren ausgerichteten Beurteilungs- und Beförderungsverfahren zusammen, aber
auch Alltagssexismus ist noch immer ein Thema, der vielerorts eine für weibliche Leistungsträgerinnen undurchdringliche Behördenkultur geprägt hat. Dringend ist auch die Frage nach der Bereinigung der geschlechterbedingten Entgeltunterschiede im öffentlichen Dienst. Diese ist bisher unbeantwortet.

Was wir außerdem vermissen, ist eine deutliche Stärkung der Antidiskriminierungsstelle. Diese zu einer schlagkräftigen Behörde auszubauen, die von Diskriminierung Betroffenen auch im Rechtsstreit echte Unterstützung bietet, blieb bisher aus.

Umso mehr begrüßen wir deshalb das Vorhaben, ein Gleichstellungsinstitut zu gründen – als „Ort für Gleichstellungskompetenz“. Auf die Frage, welche konkreten Aufgaben vom Institut übernommen werden sollen, bleibt die Bundesministerin schwammig: Es soll Netzwerk-, Informations- und Bildungsarbeit leisten. Womit sich das Institut auch befassen sollte: wie oben beschrieben, mit der konkreten Umsetzung der Gleichstellung im öffentlichen Dienst!

13. September 2019 Jahreshauptversammlung der vbba - Frauenvertretung in Worms.

vbba - Frauen auf den Spuren von Luther: "wir reformieren weiter"

 

19.09.2019

Nr. 05/2019

 

Editorial

Was brauchen Familien wirklich?

In einer aktuellen Umfrage hat das Bundesfamilienministerium in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach die Wünsche und Bedürfnisse der modernen Familie beleuchtet (S. 2). Ein zentrales Ergebnis zeigt, dass sich die Ansprüche an den „idealen“ Vater sehr stark gewandelt haben. Heute sollen Väter so viel Zeit wie möglich mit den Kindern verbringen, das heißt, Windeln wechseln, sich im Haushalt engagieren und zugunsten der Familie beruflich kürzertreten. Aber auch das Mutterbild hat sich verändert. Und zwar ebenso drastisch. Lag die Hauptverantwortung für Haushalt und Kinderbetreuung bei der heutigen Großelterngeneration zu 82 Prozent in Frauenhand, sind Mütter von heute nur noch zu 32 Prozent allein in der Pflicht.

Aber was bedeutet das für unsere Gesellschaft? Die Sorgearbeit verlagert sich auf beide Elternteile, eine geschlechterspezifische Rollenzuteilung wird von einer partnerschaftlichen Aufteilung der Familienpflichten abgelöst. Hinzu kommt, dass immer mehr Kinder in Ein-Eltern-Familien, Regenbogenfamilien oder Patch-Work-Familien groß werden. Damit steht auch die gesellschaftliche Rollenverteilung im Bereich der Erwerbsarbeit zur Disposition. Frauen investieren mehr Zeit und Energie in Erwerbsarbeit, Männer engagieren sich mehr im Bereich der unbezahlten Care-Arbeit.

Nicht nur die Politik steht an einem Scheideweg. Arbeits- und fiskalpolitische Entscheidungen müssen sich künftig an den sich wandelnden Familienverhältnissen ausrichten. Auch die Arbeitswelt wie wir Sie kennen, mit einem Vater, der viel arbeitet und einer Mutter, die nicht oder nur geringfügig am Erwerbsleben teilnimmt, hat sich damit überlebt. Ein Schlüssel für erfolgreiches Personalmanagement liegt darin, die neuen Familienrealitäten selbstbewusst in den Wandel der Arbeitswelt einzupreisen. Väter und Mütter müssen die gleichen beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten erhalten. Das erfordert individualisierbare Arbeitsmodelle und eine Abkehr von der Präsenzkultur.

Auch im öffentlichen Dienst müssen wir an dieser Stelle noch weiterdenken und aus gewerkschaftlicher Sicht den Druck deutlich erhöhen. Denn auch hier basiert die Arbeitsorganisation auf der Grundannahme, dass Frauen, sobald sie Mütter werden, in Teilzeit arbeiten und Männer, egal ob Vater oder nicht, ihr Vollzeitstundensoll erfüllen werden. Die Digitalisierung der Verwaltung bietet hier – wenn unter gendersensiblen Gesichtspunkten umgesetzt – ideale Mittel, um zu neuen gleichberechtigten Arbeitsformen zu kommen: solche, die Arbeitszeit nicht länger als Leistungsnachweis benötigen; solche, die Vatersein und Muttersein auf eine wertfreie Stufe stellen; solche, die den Beschäftigten Verantwortung und Respekt entgegenbringen und solche, die Familie wieder als zu förderndes, zu schützendes und wichtigstes Gut unserer Gesellschaft behandeln. Und zwar jede Form der Familie.


 

 

Geschäftsstelle

 vbba Landesgeschäftsstelle

Axel Lehmann

Fischteich 13

35043 Marburg 

Tel 06421 972223

Mobil 0176 64209013 

hessen@vbba.de


vbba Gewerkschaft Arbeit und Soziales Deutschland
dbb Beamtenbund und Tarifunion
dbb Beamtenbund und Tarifunion Landesbund Hessen
dbb Akademie

dbb Verlag
dbb Vorsorgewerk
dbb Vorteilswert